Vorfälligkeitsentschädigung? Nein Danke! – Widerruf von Immobiliendarlehen

Während die Zinsen für Immobilienkredite so niedrig sind, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, hängen viele Darlehensnehmer mit langjähriger Zinsbindung in bestehenden Verträgen fest. Wer beispielsweise heute ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung abschließt, profitiert von niedrigsten Zinssätzen etwa um die zwei bis zweieinhalb Prozent. Noch vor fünf Jahren hingegen war das bankenübliche Zinsniveau etwa doppelt so hoch.

Der Darlehensnehmer kommt aus den bestehenden Verträgen jedoch grundsätzlich nicht raus oder muss dem Kreditinstitut bei vorzeitiger Kündigung ein hohes Entgelt für die Ablösung des Kredites bezahlen. Dass die Banken und Sparkassen diese sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen können, ergibt sich aus dem Gesetz, da der Kreditnehmer den Schaden zu ersetzen hat, der aus der vorzeitigen Kündigung des Darlehensvertrages entsteht.

Untersuchungen zeigen allerdings, dass Banken und Sparkassen bei der vorzeitigen Kündigung insbesondere von Immobiliendarlehensverträgen regelmäßig saftige Entschädigungsbeträge in Rechnung stellen. Erfahrungswerte belegen, Aufschläge von um die 20 Prozent zur Restschuld des Darlehens liegen durchaus im üblichen Rahmen. Intransparente Darstellungen und uneinheitliche Berechnungsmethoden erschweren den Verbrauchern dabei nicht selten eine rechnerische Überprüfung der verlangten Entschädigung.

Für Darlehensnehmer, die vor Jahren einen Kredit zu weit höheren Zinsen abgeschlossen haben und sich vor dem Hintergrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus ärgern, kann sich jedoch keine Alternative aufgrund fehlerhaft erfolgter Widerrufsbelehrungen ergeben.

Durch Banken und Sparkassen nicht vermiedene Formfehler bei Widerrufsbelehrungen im Zusammenhang mit dem Darlehensvertragsschluss eröffnen nun vielen Verbrauchern die Möglichkeit einer Ablösung des Darlehens ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

 Normalerweise beträgt die Frist, innerhalb welcher der Darlehensnehmer den Vertragsschluss widerrufen kann, 14 Tage. Danach wäre ein Widerruf ausgeschlossen. Wenn aber eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung nicht erfolgte, dann fängt diese Frist nach der Rechtsprechung des höchsten deutschen Gerichtes nicht zu laufen an. Die Folge: Auch viele Jahre nach Vertragsschluss kann der Verbraucher bei vorliegen der Voraussetzungen den Vertrag vorzeitig auflösen – und zwar ohne die sonst übliche Vorfälligkeitsentschädigung.

 Dabei sind Detailkenntnisse gefragt, denn Fehler können sich in vielerlei Hinsicht ergeben. Sei es eine falsche Postanschrift für den Widerruf, eine ungenaue Benennung des Beginns der Widerrufsfrist oder schlicht fehlende optische Hervorhebungen – die Palette möglicher Fehler ist breit. Häufig wurden vom Bankhaus ergänzende Formulierungen getroffen, die für den Kreditnehmer nicht eindeutig verständlich sind. Auch daraus kann sich eine Fehlerhaftigkeit der Belehrung ergeben und somit der Weg zum Widerruf eröffnet sein.

 Im Falle des wirksamen Widerrufes verliert das Kreditinstitut seine Zinseinnahmen aus dem Darlehensvertrag. Die Erfahrung aus der Vertretung von Bankkunden zeigt, dass die Möglichkeit zum Widerruf eines Darlehensvertrages aufgrund einer falschen Belehrung durchaus nicht immer reibungslos vonstatten geht, da Banken und Sparkassen auch berechtigte Widerrufe oftmals zunächst nicht akzeptieren. Um die Verhandlungen mit den Kreditgebern dann zielgerichtet und kompetent voranzutreiben, empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes.

 Zur Prüfung der Ausstiegsmöglichkeiten aus einem laufenden Kreditvertrag sowie zur durchsetzungsstarken Vertretung Ihrer Interessen gegenüber Banken und Sparkassen, sowohl außergerichtlich als auch gerichtlich, steht Ihnen das Team der Dr. Dettke Rechtsanwaltsgesellschaft mbH gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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